Sie haben gelernt, unser Gehirn zu hacken

Der israelische Historiker Yuval Noah Harari wurde vom Chefredakteur des Handelsblatts, Sebastian Matthes, im Interview zum Jahreswechsel 2021/22 gefragt, warum er kein Smartphone habe. Die Antwort dieses Wissenschaftlers, der sich dezidiert mit den Folgen der Algorithmisierrung und Verdatung menschlichen Verhaltens für die Sozialgemeinschaft besfasst, ist deutlich. Er sei nicht naiv und wisse, dass er in einer zunehmend smarten Umwelt auch ohne Smartphone verfolgt werden könne. Es gehe um mehr:

„Der Hauptpunkt ist, Ablenkungen fernzuhalten. Ich weiß, wie schwierig es ist, den Geist zu kontrollieren, konzentriert zu bleiben. Und außerdem: Die Menschen auf der anderen Seite des Smartphones – die klügsten Menschen der Welt – haben in den vergangenen 20 Jahren gelernt, wie man das menschliche Gehirn durch das Smartphone hacken kann. Denen bin ich nicht gewachsen. Wenn ich gegen die antreten muss, werden sie gewinnen. Also gebe ich ihnen nicht meinen Bildschirm, gewähre ihnen keinen direkten Zugang zu meinem Gehirn.“ (Matthes, 2021)

Matthes, Sebastian (2021) Sie haben gelernt, unser Gehirn zu hacken, Interview mit Dem Historiker Yuval Noah Harari; in: Handelsblatt vom 30. Dezember 2021 bis 2. Januar 2022, Nr. 253, S. 16-18

Ein weltweit renommierter Wissenschaftler ist den Psycho-Techniken und Manipulations-Tricks der IT-Konzerne und ihren Apps zur Nutzersteuerung nicht gewachsen und sperrt sie von seinem Bildschirm und damit den Zugang zu seinem Gehirn aus. Bundesregierung und Kultusministerien hingegen forcieren mit dem Digitalpakt Schule den Einsatz genau dieser Bildschirmmedien und Apps bereits in Kitas und Grundschulen?